Vorweg: Es hat nun alles geklappt mit der Tour, wenn auch anders als gedacht.
Buniyp Tours wird uüberwiegend von Backpackern genutzt, also bin ich bei Weitem die Älteste in der Truppe. Die meisten sind zwischen 18 und 25, die Älteren sind 25-30. Übernachtet wird in Hostels in 10-Bettzimmern oder im Zelt, Verpflegung ist Gemeinschaftsküche und in der Planung sind 2 Tage hintereinander Wanderungen über mindestens 4 km auf unebenem Grund bzw. als Bergsteiger-Tour, was mir natürlich keiner vorab gesagt hat. Ausserdem fährt der Kleinbus ab Horsham zurück nach Melbourne. Wer nach Adelaide will, wird in Horsham am Busbahnhof abgesetzt. Also nix Stop in Hahndorf und nix Hoteltransfer, was mir auch keiner gesagt hat. Naja, das Reisebüro zu Hause hat sofort auf meine Mail reagiert und redet ein paar ernste Worte mit DERTOUR.
Die Leute in der Truppe sind überwiegend nett, mit denen kann ich es gut 3 Tage aushalten. Zumal ich "VIP Passenger" bin und mein Einzelzimmer nach vielen Diskussionen mit der vermittelnden Agentur retten konnte. Die Gruppe besteht je zur Hälfte aus Deutschen und Briten, und wir Deutschen haben schnell den Spitznamen "little Deutschies"weg (warum auch immer).
Am ersten Tag fahren wir mit vielen Fotostopps entlang der berühmten Great Ocean Road, die zu Recht als eine der schönsten Küstenstrassen der Welt bezeichnet wird.
Gebaut wurde sie als Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Veteranen des 1. Weltkriegs von 1918 bis Anfang der 1930er Jahre und hat dem Tourismus in den kleinen Orten entlang der Strecke viel Auftrieb gegeben. Ich haette übrigens nicht gedacht, dass es Down Under im Sommer so kalt sein kann. Von wegen Hitze, die Höchsttemperatur von 18 Grad wurde höchstens mal fuer 30 Minuten erreicht und dazu wehte ein richtig kalter Wind.
Abends sitzen wir mit einer Take-away Pizza am Loch Ard Gorge am Strand.
Zum Loch Ard Gorge gibt es eine etwas delikate Geschichte. Bis vor einigen Jahren hatte diese Sandsteinformation noch Verbindung zum Festland. Eines Abends sass ein Pärchen am seeseitigen Rand und genoss den Sonnenuntergang. Plötzlich stürzte die Landverbindung ein und die beiden mussten aufwendig gerettet werden. Es habe in allen Zeitungen gestanden. Pikant war, dass beide anderweitig verheiratet waren und die Affäre dadurch aufgeflogen ist.
Wir sind zum Sonnenuntergang bei den 12 Aposteln (die übrigens auch schon teilweise in die See gewaschen wurden und daher nicht mehr zu 12. sind). Dieses Schauspiel stellt den Sonnenuntergang am Uluru noch in den Schatten.
Am nächsten Tag geht es in den Grampians Nationalpark. Hier hat es letztes Jahr heftige Buschfeuer gegeben und man erkennt jetzt ganz gut, wie sich die Landschaft davon erholt. Die Natur braucht die Feuer übrigens. Rund um den ältesten Leuchtturm Australiens wird so viel Brandschutz betrieben, dass es dort seit Jahren nicht mehr gebrannt hat. Ergebnis: Der Boden ist so nährstoffarm, dass die Eukalyptusbäume sich nicht mehr von dem Kahlfrass durch die Koalas erholen. Die Bäume sterben, man sieht massenweise tote Eukalyptusbäume. Die süssen Bärchen fressen sozusagen den Ast ab, auf dem sie sitzen bzw. der sie ernähren soll. Wählerisch sind sie auch - sie fressen nur 3 von zig Sorten Eukalyptus, die es gibt. Inzwischen forstet die Nationalparkverwaltung künstlich Eukalyptus auf, aber es wird etwa 30 Jahre dauern, bis die Bäume soweit sind, dass die Koalas die Blätter verspeisen können.
Wir haben unsere Mittagspause jedenfalls im Leuchtturm-Café, was sehr schön ist. Danach geht der Rest der Truppe bergsteigen. 4 km einen Felsen erklimmen und wieder zurück ist nun nichts für mich. Ich bleibe am Bus und habe einige nette Gespräche mit japanischen Touristen, die da Pause machen. Papa Emu führt seinen Nachwuchs spaazieren.
Gute 2 Stunden später sind die anderen erschöpft zurück und wir fahren weiter zur Asses Ears Wilderness Lodge. Das ist nun wirklich mitten im Nirgendwo. Wir übernachten in 5er Blockhütten bzw. Zelten (ich habe eine Hütte für mich allein - ätsch). Abends wird gegrillt und auf dem Rost liegen außer Würstchen auch Känguru-Steaks. Schmeckt ganz gut, das hüpfende Beutelvieh - ähnlich wie Reh oder Hirsch.
Der 3. Tag der Tour beginnt wieder mal mit einer 4 km Wanderung runter zu den MacKenzie Falls. Auch das ist nichts für mich. Dieser Marsch wäre in der ursprünglich gebuchten Tour auch enthalten gewesen, so dass ich vorab schon eine Alternative recherchiert habe. Es gibt einen knapp 2 km langen Rundweg zu einem Aussichtspunkt, der wirklich leicht zu laufen ist und von wo aus man die Fälle von oben sehen kann. Ich habe also doppelt soviel Zeit wie der Rest der Truppe und kann zwischendurch Pausen einlegen. Der Weg lohnt sich, es ist eine sehr schöne Aussicht.
Nach einem Picknick auf einer Wiese in Horsham werden wir 5 Adelaide-Fahrer am Busbahnhof abgesetzt. Der Linienbus nach Adelaide braucht von hier gute 5 Stunden und unterwegs gewinnen wir mal wieder eine halbe Stunde durch Zeitumstellung.
Die Tour war mal eine etwas andere Erfahrung, aber auch recht stressig. Ich bin ganz froh, nun wieder auf mich gestellt zu sein bzw. meine vorab organisierten Tagestouren zu haben. Den fehlenden Schlaf habe ich im Linienbus Horsham-Adelaide ansatzweise nachgeholt.
Taxen stehen am Busbahnhof genügend, so dass der Weg zum Hotel kein Problem ist.
Willkommen zurück in der Zivilisation. Ich bin in einem schicken Art Deco Boutique Hotel gelandet. IBIS und Co waren nicht mehr zu kriegen bzw. zu horrenden Preisen. In Adelaide macht nämlich grade die UCI Tour Down Under Station. Alles ist voll Radfahrer, Teambetreuer und Zuschauer, die wohl in den einfacheren Unterkünften absteigen.
Das schicke Hotel hat einen Pool, den ich am Abend ausgiebig nutze, während in der Gästewäscherei der Inhalt meines Koffers runderneuert wird.
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